Der Dieselskandal und die anschließenden Diskussionen um die umweltschädigende Wirkung des Dieselmotors sind noch nicht ausgestanden, sondern nehmen weiter an Fahrt auf. Natürlich haben auch die Automobilclubs eine Meinung und mehrere Forderungen dazu.

Neben Soft-und Hardware-Nachrüstungen für neuere Fahrzeuge, einer ÖKO-Prämie für ältere und einer „Verstetigung“ des Verkehrsflusses, also der grünen Welle, werden vom OEAMTC auch Umtauschprämien, Verschrottungsprämien genannt, gefordert.

Das heisst, dass Händler einen großzügigen Preisnachlass beim Kauf eines Neuwagens geben, wenn man sein altes, voll funktionstüchtiges Auto, verschrotten lässt. So. Verjüngung der österreichischen Fahrzeugflotte also, indem wir etwas auf den Müll werfen, das einwandfrei funktioniert. Man kann moralisch dazu stehen, wie man möchte, aber nachhaltig ist es in keinem Fall. Nachhaltig ist ein vor 50 Jahren gebautes Fahrzeug, das immer noch unterwegs ist, weil für seinen Wegfall kein weiteres Fahrzeug gebaut werden musste, nicht?

Hier stellt sich natürlich die Frage, woraus ein Auto überhaupt gebaut wird.

Denn, wie gesagt, es geht um eine Reduktion von Schadstoffen in den Autoabgasen, namentlich CO2 (Kohlendioxid) und NOx (Stickstoff).

Ein VW Golf zum Beispiel besteht zu 74% seines Gesamtgewichtes aus Metallen, also Stahl- und Eisenwerkstoffen, Aluminium, Magnesium, Kupfer und Messing. Über den Rest, also Kunststoffe, Glas, Keramiken und so weiter reden wir jetzt gar nicht. Sondern wichtiger ist, sich der Frage hinzugeben, woher diese Metalle eigentlich kommen und siehe: Nicht aus Österreich, nicht aus Deutschland, schon gar nicht aus Europa, sondern überwiegend aus Schwellen- und Entwicklungsländern. Die Kupfererze holen wir gerne vor allem aus Südamerika, das Bauxit für´s Aluminium holen wir uns aus Guinea und Ghana und die Hälfte des Eisenerzes aus Brasilien, aber auch aus Südafrika und wir dürfen getrost davon ausgehen, dass die Abbaubedingungen dieser Metalle für die Arbeiter ein wahres Vergnügen darstellen, dem sie freiwillig und täglich sonnig gelaunt ihr Leben widmen. Die Menschenrechte werden, nur ganz nebenbei, auch bei der Gewinnung der Rohstoffe, aus denen die Akkus für Elektro- oder Hybridautos gefertigt werden, zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit geraten müssen aufgrund der herrschenden Mißstände.

 

 

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Metalle können evolutionsbedingt nicht von einem Ort zum andren marschieren und ihrer Gewichte wegen schon gar nicht schwimmen. Ihres eingeschränkten Intellektes wegen würden sie ohnehin die korrekte Richtung nicht finden. Wie bringt man sie also dazu, von da nach dort zu kommen?

Welches Ausmaß an Ressourcen ist eigentlich von Nöten, um ein Frachtschiff zu bauen? Wiederum egal, aber was die Frachtschiffe eigentlich antreibt, die Waren über die Ozeane zu bringen, ist wiederum ein Thema.

 

 

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Nämlicht: Schweröl. Was das ist? Marines Rückstandsöl. Es ist das, was von Raffinerien als Müll abgesondert wird, eigentlich. Es ist schwarz und bei Zimmertemperatur zähflüssig, muss daher vorgewärmt- und für die Verbrennung auf 140 Grad erhitzt werden. Danach kommt es in den Brennraum, verbrennt aber nicht zu 100%. Das, was nicht verbrannt wird, wurde früher auf offener See verklappt (ins Wasser geworfen). Heutzutage wird es in den Häfen abgepumpt und was damit geschieht, will ich gar nicht mehr wissen. Der Naturschutzbund Deutschland hat jedenfalls berechnet, dass die 15 größten Schiffe der Welt jährlich so viele Schadstoffe rausblasen wie 750 Millionen PKW.

Das läge vor allem daran, dass die Reedereien nicht dazu zu bewegen wären, irgendwelche Filtersysteme zur Abgasreinigung einzubauen oder auf schwefelärmere Treibstoffe umzusteigen. Alles eine Kostenfrage, chapeau, capitalisme! Ab 2020 vielleicht, wenn die Lobby nachgeben sollte.
Witzigerweise handeln die Reedereien von Kreuzfahrtschiffen genau gleich und schicken ihre Dampfer filterfrei durch die Gegend. Und wer bietet Kreuzfahrten in diesen Schleudern an? Richtig, der OEAMTC. Der deutsche Kollege ADAC macht das genauso.

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Das ist eine echte Panne und geht sich moralisch nicht aus, oder?  Auf den vorderen Seiten der Clubzeitschrift auto touring werden die Forderungen gestellt und hinten die Kreuzfahrten und die Flugreisen angepriesen. Das muss man erst mal bringen. Aber, es scheint um Geld zu gehen, weshalb wir uns nicht beunruhigen sollten. In dieser Normalität nehmen wir gewohntermaßen selbst das Unwürdigste hin. Denn dahin wurden wir geeicht.

 

Aber wie sagte Nietzsche einst: „Man nimmt die unerklärte dunkle Sache wichtiger als die erklärte helle.“ Die Gründe dafür sind mir aber klar. Trotzdem ende ich hier.

Fotos & Text © Peter Philipp